Kürzeste Straße, Lebensretter, Frauenwege – was man auf Düsseldorf Maps alles findet

Die Stadt bietet einen eigenen digitalen Kartenservice an. In diesen sind mittlerweile so viele Daten eingeflossen, dass man sich herrlich darin verlieren kann. Ich stelle einige der Kategorien vor, die mich dort überrascht und klüger gemacht haben.
Veröffentlicht am 27. Juli 2022
Düsseldorf Maps
Unser Fotograf Andreas Endermann hatte offenbar auch große Freude an den Informationen in "Düsseldorf Maps". Auf der Karte unten hat er ein Luftbild von 1927 und besondere Orte angeklickt, auf der Karte oben Frauenwege, Essbare Stadt, Baumpflanzungen und -fällungen.

Die Rekorde kamen in den bitteren Momenten. Im Oktober 2021 verzeichnete das Angebot „Düsseldorf Maps“ nach städtischen Angaben rund 650.000 Aufrufe – auf der Starkregen-Gefahrenkarte. Im Januar dieses Jahres waren es laut Stadt rund eine Million Aufruf – von Menschen, die nach Corona-Schnelltestzentren suchten.

Die gute Nachricht: Die Bürger:innen nehmen den digitalen Service der Stadt offensichtlich an. Und ebenfalls erfreulich: Neben den genannten nützlichen, aber bitteren Gründen die Karten des Vermessungs- und Katasteramts aufzurufen, gibt es auch eine Menge auf angenehme Weise überraschende und/oder höchst informative Dinge. Zehn der Kategorien, die man entdeckt, wenn man oben links auf den Button „Themenauswahl“ (gekennzeichnet mit drei übereinanderliegenden Blättern) klickt, stelle ich hier vor.

  1. Besondere Orte Definitiv die Lieblingskategorie aller Freude des Besserwisserwissens. Die kürzeste Straße, der höchste und der tiefste begehbare Punkt, die geographische und die geometrische Mitte der Stadt – all das findet sich unter „Besondere Orte“. Die wiederum stehen leicht versteckt in der Rubrik „Freizeit und Sport“. Die Punkte sind übrigens: Helgolandstraße, Sandberg, der U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee, die Johanneskirche und die Hans-Sachs-Straße.
  2. Gaslaternen Man möchte sich nicht vorstellen, wer sich diese Arbeit gemacht hat. In dieser Kategorie der Rubrik „Denkmalschutz“ sieht man sehr viele bunte Kreise. Wer näher ranzoomt, stellt fest: Das sind wirklich die einzelnen Punkte, an denen in Düsseldorf eine Gaslaterne steht. Zu den unterschiedlichen Farben habe ich keine Legende gefunden, ich vermute, dass es sich um die fünf verschiedenen Typen von Düsseldorfer Leuchten handelt.
  3. Radhandel und -werkstätten Auch die Radwege der Stadt sind eingezeichnet. Wenn man allerdings mit dem Rad in der Stadt unterwegs ist, wird man diese mit praktischer Skepsis betrachten. Uneingeschränkt nützlich ist dagegen ein anderes Karten-Thema: Radhändler:innen und Werkstätten sind auf Knopfdruck zu sehen. Leider habe ich keinen Routenplaner dazu gefunden, das heißt man muss mit der Adresse nochmal die App wechseln.
  4. Essbare Stadt Dieses Projekt des Umweltamts funktioniert relativ simpel: Privatpersonen, Nachbarschaften, Vereine, Kirchengemeinden, Initiativen und Unternehmen können sich für ein Biohochbeet bewerben. Ist die Bewerbung erfolgreich, kümmert sich das Amt um die Lieferung. Man erhält einen Bausatz für das Hochbeet, Biosaatgut für verschiedene Gemüsesorten, Erde und Blähton. Das hat sich offenbar schon rumgesprochen, denn in der Karte sind ziemlich viele Punkte der „Essbaren Stadt“ eingezeichnet. Und auf der Homepage des Projekts steht, dass der Etat für dieses Jahr bereits ausgeschöpft ist. Neue Punkte kommen also erst 2023 hinzu.
  5. Pflanzungen und Fällungen Ähnlich wie bei den Gaslaternen gibt es auch für Bäume viele Punkte auf der Karte, deutlich mehr rote als grüne. Die roten stehen für Fällungen, die grünen für Neupflanzungen. Zu jeder Fällung gibt es einen Steckbrief, in dem unter anderem die Ursache und der Stammumfang des betroffenen Gewächses steht. In den Steckbriefen zu den grünen Punkten erfahren die Nutzer:innen, was dort gesetzt wurde und wann.
  6. Hotspots Klingt nach Sehenswürdigkeiten, meint aber Punkte, an denen man Zugang zu freiem Wlan hat. Die Zahl der Symbole auf der Karte ist angenehm hoch, allerdings zeigt sich ein Problem. In den Randbereichen Düsseldorfs sind die Flächen zwischen den Symbolen ziemlich groß. Das heißt: Gerade in Gegenden, in denen man Probleme mit den mobilen Daten haben kann, gibt es keine Alternative. Und man kann dann auf dem Handy auch nicht nach günstigeren Orten suchen, weil ja Düsseldorf Maps nicht aufrufbar ist.
  7. Frauenwege In Düsseldorf sind deutlich weniger Straßen nach Frauen als nach Männern benannt. Das lässt sich nur in Neubaugebieten und bei Straßenumbenennung ändern, also recht langsam. Das Gleichstellungsamt hat deshalb „Frauenwege“ entwickelt. Das ist ein Stadtplan, in dem 91 weibliche Persönlichkeiten aus der Düsseldorfer Stadtgeschichte eingezeichnet sind – sowohl die, die durch eine Straße geehrt werden, als auch die, bei denen das trotz ihrer Verdienste noch nicht der Fall ist. Dieser besondere Stadtplan ist Teil der Düsseldorf Maps geworden. Klickt man dort zum Beispiel auf die Stephanienstraße, lernt man, dass Stephanie von Portugal ab 1852 im Schloss Jägerhof lebte, karitativ tätig war und „Engel der Armen“ genannt wird.
  8. Defibrillator-Standorte Niemand sucht sich aus, wo er in Not gerät, und niemand zückt sein Handy, um zu schauen, wo ein Defibrillator ist, wenn jemand neben ihm einen Herzinfarkt erleidet. Deshalb ist der Nutzwert der Defibrillator-Standorte begrenzt. Aber die Übersicht vermittelt ein gutes Gefühl, denn in „Düsseldorf Maps“ sind mehr als 50 Standorte eingezeichnet, und sie erinnert daran, dass man sich mal damit beschäftigen sollte, wie man so einen Lebensretter im Ernstfall einsetzt. Das geht zum Beispiel hier.
  9. Sport im Park Auch zu den kostenfreien Sportangeboten in Grünanlagen gibt es leider keinen Routenplaner, aber trotzdem eine wichtige geografische Information. Man kann nämlich gut erkennen, wo im eigenen Umfeld Trainings angeboten werden. Mit Klick auf das Symbol erfährt man, wann es stattfindet und auf welche Weise man sich dort fitter macht.
  10. Historische Stadtpläne Wenn man in der Themenauswahl bis ganz nach unten scrollt, stößt man auf die Möglichkeit, einen anderen Untergrund zu wählen. Der älteste der historischen Stadtpläne stammt von 1609, aus den folgenden Jahrhunderten gibt es immer mindestens eine Ansicht. Man sieht, wie Düsseldorf wächst – und was einst dort war, wo heute eine Gaslaterne oder ein Biohochbeet stehen.

Ausblick
Das Vermessungs- und Katasteramt will das Angebot weiterentwickeln. Unter anderem soll auf der Seite ein 3D-Stadtmodell entstehen, außerdem sollen Nutzer:innen die Daten noch besser visualisieren können.


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