Düsseldorf-Verschwörung in Hollywood: Fing alles mit “Magnum“ an?

Der Name unserer Stadt tauchte in den vergangenen Jahren immer wieder überraschend in US-Kinofilmen und Serien auf. Jetzt habe ich erfahren, dass das schon vor rund 40 Jahren zum ersten Mal der Fall war.
Veröffentlicht am 16. März 2022
Magnum
Magnum liebte Düsseldorfer Altbier. Die gleichnamige Serie mit Tom Selleck kann man aktuell beim Streamingsender RTL+ sehen. Foto: RTL/Universal

Ich bin nicht besonders anfällig für Verschwörungstheorien, aber eine habe ich mir selbst ausgedacht. Und die geht so: Es gab irgendwann eine Weihnachtsfeier der Drehbuchautor:innen von Hollywood. Zu später Stunde, als alle schon ein bisschen sehr fröhlich im Kopf waren, wurde dort eine Wette abgeschlossen. Jede und jeder von ihnen muss einmal ein Wort in einem Drehbuch unterbringen. Sie einigten sich auf das Wort Düsseldorf.

Anders ist es kaum zu erklären, dass in den vergangenen Jahren wieder und wieder, an überraschenden und richtig unsinnigen Stellen der Name unserer Stadt auftaucht. Ziemlich bekannt ist das Beispiel „Django unchained“. In dem Western von Quentin Tarantino spielt Christoph Waltz den Zahnarzt Dr. King Schultz, der aus Düsseldorf kommt. Auch prominent ist Üter Zörker, eine Figur bei den „Simpsons“, der laut Drehbuch ein Austauschschüler vom Rhein ist.

Endgültig nicht mehr an Zufall, sondern eben an meine schöne Verschwörungstheorie, glaubte ich, als ich die erste Folge der vierten Staffel von „Mozart in the jungle“ sah. In der Serie geht um ein fiktives Orchester in New York. Dessen Dirigent kümmert sich um Kinder in einem sozial benachteiligten Viertel und versucht, sie an die klassische Musik heranzuführen. Seine Kollegin kommt vorbei und die beiden besprechen einige organisatorische Dinge. Sie: „Die gespendeten Violinbögen aus Düsseldorf sind da, und es sind Termiten drin.“ Er: „Scheiße, was ist nur aus Düsseldorf geworden? Ich hab‘ Düsseldorf geliebt.“ Danach wechselt sie das Thema und die beiden sprechen über etwas anderes. Wenn diese sinnfreie Szene kein Beweis ist …

Alle meine Versuche, die Theorie zu beweisen, sind bisher gescheitert. Ich habe diverse Drehbuchautor:innen und Drehautor:innen-Vereinigungen angeschrieben. Keine Antwort. Dafür habe ich jetzt hier in Düsseldorf von einem Kollegen einen Tipp bekommen, der mich vielleicht auf andere Weise meinem Recherche-Ziel näherbringt. Ich könnte die Wurzel des Ganzen entdeckt haben. Bisher hatte ich gedacht, die Düsseldorf-Verschwörung sei ein Phänomen der vergangenen zehn bis zwanzig Jahre. Durch den Tipp weiß ich jetzt, sie reicht viel weiter zurück, mindestens bis in die Achtziger und bis zu „Magnum“.

In der Serie spielt Tom Selleck einen Privatdetektiv, der auf Hawaii ermittelt. Er ist Football-Fan und für ein Spiel holt er sich gerne sein Lieblingsbier. Es heißt „Old Düsseldorf“. Bei Youtube ist eine erschütternd alberne Szene zu finden, in der es genau darum geht. Magnum ist nur mal eben losgefahren, Bier holen, seine Freunde gucken in seinem Wohnzimmer ein ganzes Football-Spiel, aber er taucht erst wieder auf, als die Partie schon zu Ende ist. Seine Erklärung: „Ich war in dem einzigen Laden auf dieser Seite der Insel, der Düsseldorfer Altbier hat. Aber das war leider schon alle. Also musste ich auf die andere Seite fahren. Ich meine, das Spiel kann man sich doch nicht ohne Düsseldorfer Altbier ansehen.“

Es wird noch verrückter. Wenn man im Fanmaterial zur Serie sucht, entdeckt man, dass die Autoren noch jede Menge Hintergrund dazu erfunden haben. Dann versteht man auch, warum Magnum für das Bier so weit fährt: Im Magnum P.I. Wiki steht, dass „Old Düsseldorf“ ein Altbier ist, das im Bundesstaat Maryland gebraut wird. Es ist das Lieblingsbier des Football-Teams der ebenfalls in Maryland beheimateten US-Navy-Akademie. Quarterback dieses Football-Teams war Magnum laut Drehbuch im Jahr 1967. Die Hauptfigur erwähnt das Getränk noch in anderen Folgen. Seitdem wissen Fans, dass er „Old Düsseldorf“ nur aus der Flasche trinkt und am liebsten einer Flasche mit langem Hals.

An dieser Stelle endet das vorerst letzte Kapitel meiner Verschwörungstheorie, aber die Verrücktheiten gehen noch weiter. Es gab oder gibt offenbar in Kanada eine Brauerei, die tatsächlich mal ein „Old Düsseldorf“ auf den Markt gebracht hat. Besprechungen des Getränks auf einer Fachseite stammen aus dem Jahr 2015, zum Namen der dort genannten Brauerei findet man aber leider keine Internetseite oder ähnliches. Vielleicht hat sich der Verkauf nicht so rentiert.

Andere geschäftstüchtige Menschen haben es sich leichter gemacht. Sie brauen nicht, sondern verkaufen „Old Düsseldorf“-Etiketten. Die sind mit viel Liebe gestaltet, mit eigenem Logo, eigener Schrift und sogar der Adresse eines Fachgeschäfts in Honolulu, das das Bier angeblich führt. Ich bin kurz davor, mir einen Schwung zu bestellen.


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