Flossis weg

Diese kuriosen Figuren aus Plastik sind in Düsseldorf unvergessen. Obwohl man sie seit 2018 nicht mehr gesehen hat. Immer wieder tauchen Fragen nach ihrem Verbleib auf. Die Antwort ist einfach: Die Stadt hat sie eingelagert. In einer Halle im Neusser Hafen.
Veröffentlicht am 11. August 2023
Demontage der Flossis am Gebäude Speditionstraße 15a im Medienhafen
Zuerst hingen sie am NRW-Forum, dann im Hafen und seit 2018 sind sie weg: die Flossis. Foto: Andreas Endermann

Hier sei noch mal die bisweilen als platt empfundene Frage erlaubt: Sind diese Figuren Kunst, oder können sie weg? Dass sie schnell liebevoll verniedlichend Flossis genannt wurden, spricht eher nicht für den einen hohen Anspruch.

Die Vorgeschichte: Kurz vor der Jahrtausendwende, in den Jahren 1989/1999 tauchten sie erstmals auf, und zwar an der Außenwand des NRW-Forums neben der Tonhalle. Rosalie, so der Namen der hinter den Objekten steckenden Künstlerin, schuf dort das, was man eine Installation nennt. Auf 535 Quadratmetern Fläche installierte sie ihre Werke, jede Skulptur 3,5 mal 2,9 Meter groß, insgesamt 31 Stück dieser bunten Figuren. Sie schienen an der Wand zu kleben wie der legendäre Spiderman und nach oben zu klettern, sich festkrallend, mit großen – ja, was eigentlich? Krallen, Pfoten, Flossen? Eher letzteres, wie ein Mittelding zwischen dem, was Enten oder Fische vorwärtsbewegt. Und zack, war der Namen in der Welt: Flossis. Aber auch der Streit. Die etablierte, elitäre Kunstszene rümpfte die Nase. Gut erinnere ich mit an ein Gespräch mit der Mäzenin und international anerkannten Kunstexpertin Gabriele Henkel (gestorben 2017), die das Werk grässlich fand, auf keinen Fall für ernsthafte Kunst hielt und sich wünschte, es würde alsbald verschwinden.

Im Anschluss an das Ausstellungsprojekt entschied sich die Stadt Düsseldorf, die Flossis – inzwischen hatte sich der Name festgesetzt – permanent in Düsseldorf zu behalten. Seit 2002 waren sie prominent im Medienhafen platziert und sind zu einem künstlerischen Wahrzeichen der Stadt Düsseldorf geworden. Unternehmer Josef Klüh half finanziell dabei. Unter der Bedingung, sie dauerhaft zu pflegen und zu erhalten, vor allem für jeden sichtbar zu lassen. Und so waren sie im Medienhafen weithin zu sehen über das Hafenbecken zwischen Kai- und Speditionstraße. Ein Hingucker, ohne Zweifel, die Leute mochten das, unzählige Fotos wurden gemacht.  

Aber nun sind sie bereits seit fünf Jahren verschwunden. Die Erinnerung an sie ist aber offenbar immer noch so präsent, dass immer wieder Nachfragen auftauchen. Zuletzt auch in einer Mail an VierNull.de. Also haben wir mal nachgeforscht, wo die Flossis heute sind. 2019 hieß es, das Kulturamt werde die 29 Figuren der Künstlerin Rosalie einlagern und wolle den Zustand und den Umfang einer möglichen Sanierung prüfen. Seitdem ist es um die Kunstwerke still geworden. Was daran liegt, dass sich seitdem nichts getan hat.

Das hat mir die Kulturdezernentin der Stadt, Miriam Koch, bestätigt. Auf meine Frage nach dem Verbleib bat sie um ein bisschen Geduld, sie müsse das überprüfen. Und lieferte dann die Antwort: Nach wie vor seien die Figuren in einer großen Lagerhalle abgelegt, was der Stadt Mietkosten von 2400 Euro pro Monat beschere. Seinerzeit hätten Experten die Stücke untersucht und Probleme festgestellt. Sie seien sicher auch durch Wettereinfluss an den Wänden des Gebäudes massiv geschädigt, Wasser sei in die Hohlräume eingedrungen. Nicht bestätigt wurde die Aussage, man habe auf dem Gelände des Neusser Hafens eine passende Halle gefunden. Vermutlich fürchtet man, allzu begeisterte Fans könnten in Versuchung geraten, dort einzudringen und einen Flossi zu entführen.

Auf jeden Fall möchte man die Figuren wieder präsentieren. Die Frage ist nur: wo? Fachleute raten dringend dazu, einen Ort zu finden, der zumindest nicht direkt der Witterung ausgesetzt ist. Den meinte man bereits gefunden zu haben: Das riesige, nach oben durch ein Glasdach geschützte Foyer des Euref-Campus am Flughafen-Bahnhof, der in einigen Monaten fertig ist, schien der perfekte Ort dafür zu sein. Vermutlich stimmt das sogar, aber leider gab es von dieser Seite kein Interesse daran, das perfekt durchgestylte Design des Bauwerks mit bunten Figuren zu dekorieren. Also ist man weiter auf der Suche nach einem Standort.

Bis dahin heißt es also weiter: Flossis weg!


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