Mini-Lok bringt 27.000 Euro für Ukraine-Hilfe

Normalerweise dauert es mehrere Monate, bis eine Lok fertig ist, die Jörg Menzel in Auftrag gegeben hat. Diesmal waren es nur zwei Wochen. Weil alle, die Teil eines solchen Prozesses sind, die Idee von Menzels Lokschuppen sofort mochten und deshalb alles möglich gemacht haben. Die Bahn-Tochter DB Cargo hat die Lizenz erteilt, ein Hersteller aus Belgien blitzschnell einen Platz für bis zu 1500 Exemplare in seinen Produktionsplan eingebaut. Und so konnte Jörg Menzel seinen Kunden sehr rasch anbieten, eine Ukraine-Modell-Lok zu bestellen. Der zügige Einsatz aller Beteiligten hat sich gelohnt, denn bis zum 20. April kamen schon 27.000 Euro zusammen, mit denen Geflüchteten aus der Ukraine geholfen wird.
Das Vorbild für die Lok rollt in den vergangenen Wochen regelmäßig zwischen Deutschland und der Ukraine. Die Deutsche Bahn hat ein Logistiknetzwerk aufgebaut, um Hilfsgüter direkt in das vom Krieg betroffene Land zu bringen. Über die so genannte DB-Schienenbrücke gelangen Lebensmittel, Trinkwasser, warme Kleidung, Sanitärartikel und medizinische Produkte per Zug in die Ukraine – seit Beginn des Krieges mehr als 25 Mal. An der Spitze: eine Lokomotive des Typs Vectron von Siemens, versehen mit dem Schriftzug „Schienenbrücke – #WeStandWithUkraine“.
Das Fachgeschäft Menzels Lokschuppen hat in der Vergangenheit immer wieder eigene Modelle auf den Markt gebracht. Wenn bestimmte Loks nicht im Programm der großen Hersteller auftauchten, entwickelten die Düsseldorfer mit ihren Partnern kleine Serien. Und so kam Mitarbeiter Stefan Nückel auf die Idee, die Schienenbrücke-Lok zu entwickeln. Der Hersteller hatte die Form der Siemens Vectron zum Glück schon in seiner Palette, auf der Basis dessen entstand die verkehrsrote Version der DB Cargo mit dem besonderen Schriftzug.
Für Modelleisenbahnen gibt es zwei Systeme: eines mit Wechselstrom (Märklin-System) und eines mit Gleichstrom (System der übrigen Hersteller). Für beide sind jeweils zwei Varianten der Ukraine-Lokomotive erhältlich, eine normale Ausführung und eine mit Sound und weiteren Effekten. Mehr zum Modell steht am Ende dieses Texts. Die Preise liegen zwischen 299,90 und 439,90 Euro. Das Modell kann noch bis 31. Mai bestellt werden – nur in Menzels Lokschuppen an der Friedrichstraße 6 und im Bahnshop – danach wird produziert. Die Serie ist auf maximal 1500 Stück über alle Varianten limitiert.
Bis die Modelle dann bei ihren künftigen Lokführern sind, dauert es noch einige Zeit. So lange möchte Jörg Menzel mit seiner Spende nicht warten und geht in Vorleistung. Aufgrund der Bestellungen weiß er, wie viele Loks produziert werden, 100 Euro pro Exemplar sind als Spende vorgesehen. Die Gesamtsumme geht dann im Frühsommer an die Ukraine-Hilfe der Deutschen Bahn Stiftung. Diese arbeitet eng mit der Bahnhofsmission zusammen, deren Mitarbeiter:innen Geflüchteten schon in den Zügen helfen und an den Bahnhöfen, an denen sie ankommen.
So zügig wie die Entwicklung lief bisher auch der Verkauf. „Wir haben noch nie so schnell so viele Loks verkauft“, sagt Jörg Menzel. Zum 20. April waren es rund 270, bis zum Bestellschluss Ende Mai werden es aller Voraussicht nach noch einige mehr. „Wir haben eigentlich noch gar nicht richtig Werbung für das Modell gemacht.“
Weiterführende Informationen
Das Modell berücksichtigt alle Bauartunterschiede, zum Beispiel lange Puffertritte und Türen vom Hersteller Cleff. Die Führerstandsinneneinrichtung ist mehrfarbig bedruckt, die Dachausrüstung mit verschiedenen Stromabnehmern geplant. Fernlicht und Führerstandsbeleuchtung sind digital schaltbar. Im Modell befindet sich ein fünfpoliger, laufruhiger Motor mit Schwungmasse, der Antrieb erfolgt auf allen vier Achsen, mit diagonal versetzt angeordneten Haftreifen. Die Lokomotiven werden in der Spurweite H0 (Maßstab: 1:87) aufgelegt.
Erhältlich ist das Modell unter www.menzels-lokschuppen.de und im Bahnshop.