Schwarze Nudeln, schwarze Brötchen – die helle Freude

Grafenberg hat eine lange Tradition als Adresse für bürgerliche Restaurants – einst waren es Ausflugsadressen der Düsseldorfer für Kaffee und Kuchen nach dem Spaziergang im Wald nebenan. Das Gioia mit italienischer Küche sitzt in einem dieser alten Häuser.
Veröffentlicht am 15. August 2022
Restaurant Gioia
Das Restaurant Gioia - vor vier Jahren wurde es komplett renoviert und hat seitdem auch einen neuen Wirt. Foto: Andreas Endermann

Irgendwo hab‘ ich mal gelesen, Nudeln machen glücklich. Bei mir stimmt das. Ich könnte sie problemlos täglich essen. Vor allem, wenn sie mit Olivenöl, Knoblauch und irgendwas aus dem Meer auf dem Teller landen. Für mich gibt es allerdings noch eine Steigerung: schwarze Nudeln. Manche mag das Aussehen irritieren, aber nach meinem Geschmack sind sie Genuss pur, jedenfalls im Gioia. Ihre Farbe bekommen sie übrigens von Sepia, dem Stoff, mit dem Tintenfische ihre Flucht verdecken. Im Restaurant Gioia stehen sie als Tagliarini mit Scampi und einer Bisquesauce auf der Karte (22,90 Euro). Für alle, denen Bisque nichts sagt: Sie basiert auf Hummer oder Teilen anderer Schalentiere, passt also gut zu den Scampi. Mein Rat: hingehen, bestellen, probieren.

Apropos Schwarz: Wer das Gioia noch nicht kennt, wird sich wundern, weil im Brotkorb stets zwei sehr dunkle Brötchen liegen. Die sind nicht etwa im Backofen vergessen worden, also angebrannt, sondern ebenfalls gefärbt. Das ist mehr ein optischer als ein geschmacklicher Effekt, aber nett anzusehen.

Gioia ist das derzeit letzte Glied in einer langen Kette von Pächtern des Restaurants am Staufenplatz. Seit Jahrzehnten wird dort in unterschiedlichen Stilrichtungen aufgetischt. Bereits in den frühen 1980er Jahren stand ein Italiener am Herd. Damals, als man in Düsseldorf gerade anfing, den Unterschied zwischen Pizzeria, Salumeria, Enoteca und Ristorante zu lernen und keine Ahnung hatte, was „al dente“ bedeutet, galt die Adresse unter dem Namen Grado als Edel-Italiener. Dort kehrte man ein, wenn man jenseits von Pizza und Pasta mal feiner essen wollte.

In den Zeiten danach ging es auf und ab mit dem Restaurant, leider meistens ab. Bis schließlich 2018 der jetzige Geschäftsführer Andrea Piscopo (49) die Chancen des Standorts erkannte. Innen wurde nicht nur renoviert, sondern saniert. Die neue Optik ist zeitgemäß. Das beim Abklopfen des alten Putzes aufgetauchte Ziegelwerk wurde erfreulicherweise als sehr dekorativ erkannt und in die Gestaltung integriert. So gut sah dieses Restaurant noch nie aus. Und obwohl die Terrasse unmittelbar neben dem stark befahrenen Staufenplatz liegt, ist sie sehr beliebt. 

Im Gegensatz zu früheren Pächtern hat man aber vor allem begriffen, wie wichtig die unaufdringliche Kommunikation mit den Gästen ist. Bei mir jedenfalls kommt gut an, wenn man zu zweit dort sitzt, nur einer einen Teller Antipasti bestellt, aber dennoch unaufgefordert ein zweiter kleiner Teller hinzugestellt wird. Erfahrung eben – isst einer was vorweg, will der/die andere garantiert mal kosten. Und das tut er/sie garantiert, weil der Vorspeisenteller des Gioia optisch die reine Verführung ist. Dass neben den üblichen Antipasti roher Thunfisch mit Wasabi auf geraspeltem Fenchel gereicht wurde, habe ich als lustvolle Liaison japanischer und italienischer Küche empfunden.

Und noch ein Tipp: Probieren Sie doch mal aus, was bereits vor Jahrzehnten dort üblich war, und nutzen sie den benachbarten Wald vor dem Essen für einen Spaziergang. Nach der Mahlzeit ist es noch besser. Weil Nudeln nicht nur glücklich, sondern – je nach Sauce – auch dick machen. Also tut Bewegung gut, und praktischerweise beginnen die steil ansteigenden Waldwege nur wenige Schritte gegenüber. 

Außerdem gibt es dort eine echte Düsseldorfer Kuriosität: die Jan-Wellem-Quelle. Sie ist vom Restaurant etwa 100 Meter entfernt, neben der Seniorenresidenz Grafenberg. Der Heimatverein des Stadtteils hat sie restauriert und neu einfassen lassen. Angeblich ließ sich Düsseldorfs berühmtester Kurfürst einst sein Trinkwasser von dort ins Schloss am Rhein bringen. Leider ist sie seit vielen Jahren versiegt – Quellwasser probieren fällt also aus. 

Das Restaurant
Gioia, Staufenplatz 7, geöffnet: montags, mittwochs bis samstags 12 bis 15 Uhr und 17 bis 22 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 21 Uhr, dienstags geschlossen. Kontakt: Telefon 0211 15800257 oder [email protected]. Die Internetseite des Restaurants finden Sie hier.

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