Roger Klüh wird Opa und macht in Mode

Zu erfahren, wo sich Roger Klüh gerade aufhält, ist meistens kein Problem. Fleißig bedienen er und seine Verlobte Jessica Frühbrodt den Appetit verschiedener Social-Media-Portale. Im offenen Bentley mit Havanna im Mund auf dem Weg nach Las Vegas. Oder im Cowboy-Outfit in den Weiten Montanas. Oder gekonnt wedelnd auf der Abfahrt des französischen Ski-Ortes Courchevel. Kurz bevor er diese Videos auf der Piste verbreitet hatte, war er in den schottischen Highlands. Dort zeigt er sich die Aug‘ in Aug‘ mit einem 16er Hirsch. Den er nicht etwa erlegt, sondern nur beobachtet und natürlich filmt. Nebenbei übt Jessica Tontaubenschießen und beweist Naturtalent: Beim ersten Schuss gleich ein Treffer. Ihr Ausbilder ist ein kerniger Typ, Ex-Mitglied der britischen Spezialeinheit SAS, was für Special Air Service steht. Roger mag sowas.
Klüh junior kommt ganz schön rum. Zeit genug dafür ist da, weil er dem väterlichen Unternehmen schon lange nicht mehr nahesteht. Jedenfalls nicht körperlich. Und das nötige Geld hat er sowieso. Tantiemen flössen regelmäßig, heißt es aus der Düsseldorfer Wirtschaft. Er selbst spricht weder über Geld noch über die Firma.
Mit anderen Worten: Dieser große Junge vorgerückten Alters mit mehr als schulterlangen Haaren genießt und führt ein Leben auf einer Art gigantischem Abenteuerspielplatz für diejenigen, für die das Alter eher eine Zahl und kein Zustand ist. Im Sommer wird er 60. Sein Kommentar: Ich bin kein Statistiker.
Neidlos müssen selbst außerhalb seiner Fangruppe lebende Leute zugeben, wie wenig man ihm sechs Jahrzehnte ansieht. Um die grauen Strähnen im üppigen Bart zu entdecken, muss man schon nahe rangehen. Das immer noch dichte braune Haupthaar ist nirgendwo schütter. Und wenn doch, kaschiert er das gut. Ein Leben auf der glatt gepflasterten Überholspur also.
Bald steht allerdings eine neue Herausforderung an, nicht zu beeinflussen mit Charme, Chuzpe, Macht oder Geld: Roger wird Opa. Täglich erwartet er die Nachricht, dass sein jüngster Sohn Jeffrey Papa und er damit Großvater wird. Ein Problem damit? Überhaupt nicht, wie er überzeugend versichert. Im Gegenteil. Er freut sich drauf, und das hört man. Um sofort an der Pampersfront stramm zu stehen, ist er Richtung Süden gereist, in Frankreich Skilaufen und wird umgehend nach St. Tropez starten, wo der Sohn mit seiner Partnerin lebt. Opa Roger möchte da sein, wenn der jüngste Nachwuchs in der Familie ankommt. Das passiert in diesen Tagen. Ach ja: Es wird ein Mädchen.
Und sonst? Montana war zuletzt das Traumziel. Der Grund dafür ist simpel. Die Netflix-Serie „Yellowstone“ zeigte ihm – wie vielen anderen – die traumhafte Landschaft dieses US-Bundestaates im äußersten Nord-Westen der USA. So groß wie Deutschland, so viele Einwohner wie Köln, also etwa eine Million. Da ist viel Platz für alle, die dem entfliehen wollen, was sie nervt. Roger gehört dazu. Er will Distanz zu Menschen, sucht die Einsamkeit. Wofür auch immer.
Die Serien-Figur des rustikalen Ranchers John Dutton (gespielt von Kevin Costner), der nach seinen eigenen Regeln lebt und keine Rücksicht auf die Meinung anderer nimmt, beeindruckt(e) ihn. Umgehend hat er sich passend gewandet, ist nach Montana geflogen, einige Wochen geblieben und hatte Spaß dabei, Bilder von sich in Cowboy-Montur zu veröffentlichen. Fransen, breitkrempiger Hut, Colt am Gürtel. Wie das wirkt? Ist ihm egal. Völlig. Er fühlt sich wohl. Und nur das zählt. „In Montana ist die Welt noch in Ordnung.“ Das sagt er und glaubt es wirklich.
Jedenfalls hat er dort Inspiration für einen anderen Aspekt seines Lebens gefunden: Mode. Sein bereits etabliertes Label „Apache Star“ bietet Klamotten fürs Outdoor-Leben in Aspen, St. Moritz oder Meererbusch. T-Shirts, Jacken, Mäntel. Die US-Affinität ist eindeutig, hier und da prangt der eindrucksvolle Kopf eines Häuptlings mit gewaltigem Federschmuck. Mit einer solchen Jacke (ca. 3000 Euro) möchte man aufs nächste Pferd steigen und wie John Wayne in die Abenddämmerung reiten.
Verona Pooth, Nachbarin der Familie Klüh in Meerbusch, und Boris Beckers Ex-Frau Lilly posieren gern mit Kleidung des Labels. Anfang März wird man es bei der Fashion Week in Paris präsentieren. Lebensgefährtin Jessica ist Managerin der Marke, Roger gibt seinen Namen und bleibt im Hintergrund. „Unterstützender Geschichtenerzähler“ nennt er seine Rolle.
Der Name „Apache Star“ ist übrigens der eines Speedboats, mit dem Roger 2015 in Rekordzeit die Strecke zwischen Key West in Florida und Kuba schaffte. Ein Ereignis, das sein Leben immer noch prägt, auf das er stolz ist und über das er ein Buch schrieb: The Art of Speed.
Nun steht der Namen auch für Kleidung – flott zwar, aber nicht mit dem Tempo unterwegs, das bei diesen Booten für den lebensgefährlichen Nervenkitzel sorgt. Erste Läden gibt es bereits, passend zum gesamten Umfeld liegen sie in St. Tropez und Cannes. Produziert werden die Stücke bei einer Firma in der Türkei, die auch für die Weltraumorganisation Nasa arbeitet.
Roger, in den 1980er Jahren Spieler bei der DEG (Vater Josef prägte den Verein als Präsident von 1984 bis 1998), hat aus dieser Zeit seine Nähe zum Eishockey bewahrt. Die wollte er nun intensivieren und bewarb sich um die Vize-Präsidentschaft beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Außer seiner Leidenschaft für den Sport steckten weitere Motive dahinter: Da er neben Mode auch Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, hätte er gern auf der Basis „sportlich gesunde Ernährung“ eine Partnerschaft installiert. Das jedoch wurde mit Hinweis auf die schwierige Doping-Gesetzeslage in den USA abgelehnt.
Ob der mit vielen Terminen verbundene Job ihm wirklich Freude gebracht hätte, ist zumindest zweifelhaft. Schließlich lebt Klüh neuerdings auf der Straße. Die feste Adresse im Düsseldorfer Zooviertel hat er vor drei Jahren verlassen und ist in ein tiefschwarzes Wohnmobil gezogen. 23 Quadratmeter groß und so ausgestattet, dass es sich kommod leben lässt. Selbst die Box achtern fürs Motorrad (eine Mutt aus England) ist beheizt. Hund Rambo (ein Cane Corso) gefällt es ebenfalls. Denn so kann der 50-Kilo-Rüde seinen ausgeprägten Schutztrieb fürs Rudel leichter erfüllen. Anderen Wesen außerhalb der Gruppe steht er allerdings höchst ablehnend gegenüber. Was er mit entsprechender Optik und Verhalten überzeugend rüberbringt.
Und so rollt der Düsseldorfer über die Straßen Europas, ist mal hier, mal dort. Stehen weitere Reisen mit dem Flugzeug an, parkt das Rolling Home auf einer Basis-Station unweit von München, nahe dem Grundstück von Jessicas Eltern.
Platz satt ist da, auch für Rambo.
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