Saitta gibt seine Osteria “Am Nussbaum“ auf

Wäre man abergläubisch, hätte man damals, Anfang 2020, von einem bösen Omen sprechen können. Der Baum vor dem berühmten Lokal an der Straße in Alt-Niederkassel war marode. Experten hatten festgestellt, dass er innen zerfressen und damit gefährlich war. Also musste er weg. Dass der Walnussbaum seit Jahrzehnten dem Lokal den Namen gegeben hatte, spielte keine Rolle – aus der Osteria „Am Nussbaum“ wurde sozusagen die Osteria ohne Nussbaum. Auch wenn wenig später von der Stadt ein neuer gepflanzt wurde. Kurz nach diesem traurigen Tag war Schluss für das Lokal. Gastronom Giuseppe Saitta, seit 1990 Pächter des urigen Restaurants, drehte den Schlüssel herum – für unbestimmte Zeit. Die sehr enge Osteria war unter Berücksichtigung der nun geltenden Corona-Regeln nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Die vorgeschriebenen Abstände zwischen den Tischen waren hier nicht machbar. Also ging man in die Zwangspause. Natürlich in der Hoffnung, sehr bald wieder öffnen zu können.
Wie gesagt – in wenigen Wochen ist das drei Jahre her, aber die Küche blieb kalt, über die gesamte Zeit.
Nun jedoch gibt es eine Perspektive, allerdings ohne Giuseppe Saitta. Die Osteria wird künftig nicht mehr unter seiner Leitung stehen. Ein Koch aus seinem Team will sich selbständig machen und in Eigenregie versuchen, das kleine Restaurant wieder zu altem Glanz zu führen. Saitta verspricht jedoch, aus alter Verbundenheit im Hintergrund beratend tätig zu bleiben. Dennoch geht da eine Ära zu Ende. „Am Nussbaum“ war lange Zeit das kleine, feine Haus im Saitta-Imperium, das dann noch aus dem kombinierten Restaurant/Trattoria/Pizzeria am Barbarossaplatz besteht. Die anderen Betriebe mit demselben Familiennamen in der Stadt, unter anderem eines an der Luegallee/Ecke Barbarossaplatz werden von zwei Brüdern der Sippe betrieben: Michelangelo und Gaspare.
Als Giuseppe Saitta mit Ausbruch der Pandemie das Häuschen mit den roten Fensterläden in Alt-Niederkassel schließen musste, war ihm anzumerken, wie schwer ihm das fiel. Es sei „ein Stück meines Lebens“, sagte er. Seit 1990 hat Saitta es geführt, und in dieser Zeit wurde es einer der berühmtesten gastronomischen Betriebe Düsseldorfs. Meist waren die wenigen Plätze – circa 40 – drinnen ausgebucht, vor allem in Messezeiten brummte der Laden. Die Gäste mochten die urig-gemütliche Atmosphäre in dem Häuschen, dessen Ursprünge auf Ende des 19. Jahrhunderts vermutet werden. Dass man nah beieinander saß, störte keinen. Die Osteria entwickelte sich zu einer Art Schmuckstück in der Gastro-Kette des Giuseppe Saitta, was sicher auch einer der Gründe war, dass der Chef täglich im Geschäft persönlich nach dem Rechten sah. Seine Klientel, von der er einen erheblichen Teil kennt und duzt, weiß so etwas zu schätzen.
Es nun selbst wiederzueröffnen, war von dem aus Sizilien stammenden Gastwirt in den vergangenen Monaten erwogen worden, aber am Ende entschloss er sich dagegen. Vor allem wegen der Personalprobleme, von denen auch Saitta nicht verschont ist. Um die Osteria wirtschaftlich zu betreiben, hätte er eine bestimme Anzahl von Leuten in der Küche und im Service gebraucht. Und die hat er derzeit nicht und findet sie auch nicht. Abwarten, bis sich die Zeiten wieder entspannen, wollte Saitta offenbar nicht, also reifte der Entschluss, sich vom „Nussbaum“ zu trennen.
Das Lokal war in den 1970er Jahren ursprünglich eine Mischung aus Büdchen und Imbiss, später wurde daraus eine Bodega. Zusammen mit einem kleinen Fachwerkhaus wenige hundert Meter entfernt an derselben Straße (Alt-Niederkassel), in dem die Brauerei Schmittmann einen Ausschank betrieb (derzeit Restaurant La Cassetta), entstand damals mitten in Niederkassel eine Szene, zu der vor allem im Sommer hunderte Menschen aus Düsseldorf und der gesamten Umgebung pilgerten. Anwohner waren von dem Andrang so genervt, dass sie fürchteten, die Gegend könnte zu einer zweiten Altstadt werden. Das ging über mehrere Jahre so, aber der Hype ließ irgendwann nach, das „Nussbaum“ wurde zum Restaurant und der andere Betrieb zu einem weiteren italienischen Betrieb, der freilich häufig den Betreiber wechselte und dann kaum noch eine Rolle spielte.
Weitere Geschichte
Über die Entwicklung der Gastronomie-Szene rund um den Barbarossaplatz habe ich hier berichtet: Saitta: Das Restaurant-Imperium in Oberkassel ist nicht entzückt