Wo das Auto neben dem Bett parkt

Seit Anfang März ist das Hotel b'mine in Flingern in Betrieb. Das Besondere an diesem Haus: In einigen Zimmern kann der Gast seinen Wagen auf dem Balkon abstellen. Viele tun das, aus unterschiedlichen Gründen.
Veröffentlicht am 10. August 2023
Hotel bÕmine
Im Bett liegen und aufs eigene Auto schauen. Im Hotel b'mine in Flingern geht das. Passenderweise befindet sich das Hotel unmittelbar am Beginn der Auto-Meile am Höherweg. Foto:Andreas Endermann

Hunde werden in Hotels mit aufs Zimmer genommen. Manchmal auch Fahrräder. Aber Autos? Das ist neu, ohne Zweifel.

Das Hotel b’mine in Flingern, direkt am Beginn der Automeile gelegen, bietet exakt das an: Wer mag, lässt seinen Wagen nicht draußen vor der Tür stehen, sondern kann ihn in Sichtweite vom Bett abstellen, fast in Griffweite. Es liegen nur ein paar wenige Meter zwischen Kissen und Pkw. Geparkt wird auf einer Art Balkon, lediglich durch eine riesige, verschiebbare Glaswand vom Zimmer getrennt. Der letzte Blick vorm Einschlafen und morgens nach dem Aufwachen kann so direkt auf das geliebte Blech fallen. Geklaut wird es da garantiert nicht, denn der Wagen steht sicher ein paar Stockwerke oberhalb der Straße. Die Ladestation für E-Antriebe ist obligatorisch.

Zu erreichen sind diese Parkplätze der besonderen Art mit einem Lift, dessen inneres Format ungefähr dem einer Garage entspricht. Egal, ob Sportwagen, Kombi oder Limousine: Da passt alles rein, was an Standardformaten auf unseren Straßen unterwegs ist. Bei einer besonderen Version eines Bentleys allerdings, mit der ein Gast neulich vorfuhr, wurde es dann doch knapp. Das automobile Schiff war deutlich länger als fünf Meter, da blieben nur noch ein paar Zentimeter zwischen der Schiebetür des Aufzugs und der Stoßstange. Aber es reichte.

Aber was bewegt die Menschen, ihren Pkw mit aufs Zimmer zu nehmen? Es sind vielerlei Gründe, die Hotel-Chef Patrick Rausch (32) im Laufe der Zeit gehört hat. Natürlich ist Sicherheit ein Argument. Wer einen Oldtimer fährt, der weiß, wie begehrt diese alten Schätzchen sind und selbst gut gesicherte Tiefgaragen keinen kompletten Schutz vor Dieben bieten. Also lieber da hinstellen, wo gewiss keiner hinkommt. Aber es gibt auch praktische Gründe für das Parken am Zimmer. Für den Vertriebler beispielsweise ist es viel einfacher, den Wagen sozusagen bei sich zu haben, wenn der vollgepackt ist mit Produktbeispielen oder anderen Dingen, die er eben nicht auf dem Laptop hat, sondern dem Kunden live präsentieren muss. Das erspart das abendliche Aus- und morgendliche wieder Einpacken.

Das heißt: Da oben parken eben nicht nur die absoluten Luxusautos, sondern ganz normale Fahrzeuge. Außerdem ist der Spaß nicht so teuer, wie man annehmen könnte: Ein Doppelzimmer kostet um die 120 Euro, mit Pkw-Nähe 177 Euro. Da eine Nacht in einer Tiefgarage in Düsseldorf auch nicht gerade preiswert ist, kann die Differenz nicht schrecken. Auf jeden Fall ist das Angebot ein Marketing-Gag, denn so etwas gibt es bei keinem anderen Hotel in der Stadt. Auf die Idee kam derselbe Investor, der in Heerdt aus einem alten Bunker ein Apartmenthaus mit Terrassenparkplatz machte. Dies in einem Hotel umzusetzen, wurde als Folge aus diesem Projekt namens Papillon geboren. Es gibt übrigens drei Fahrstühle für die Fahrzeuge, insgesamt 26 von 202 Zimmern des Hotels sind geeignet für die Nähe zum Wagen.

Aber der Rest ist ebenfalls keine 08/15-Unterbringung. Denn den Machern des b’mine ist klar, dass man in dieser Lage abseits der Innenstadt auf besondere optische Gimmicks setzen muss. Also wurden sämtliche Zimmer mit Möbeln der französischen Firma Ligne Roset bestückt, was Kenner der feinen Marke auf den ersten Blick an den runden Formen und den gedeckten Farben erkennen. Die Wände sind blanker Beton, kombiniert mit dem Möblierungsstil und riesigen Glasfronten mit weitem Blick nach draußen entstand so ein reduzierter Stil, den Hotelgäste jeden Alters heute schätzen.

Im obersten Stockwerk bietet das Hotel Tagungs- und Präsentationsräume. Mindestens einer ist über die speziellen Autolifts erreichbar. Also können dort auch Kfz-Präsentationen stattfinden. Nebenan liegen Bar und Restaurant, genannt „the roof“, das Dach also. Am Herd steht Derrick Carter. Der Koch hat bei Nelson Müller gelernt und in Schloss Bensberg gearbeitet und kocht in einem Stilmix aus Japan und Peru. Den genießt man mit einem spektakulären Blick – auf die Kühltürme des Kraftwerks Flingern.

Das Restaurant ist offen für alle. Diese Gäste müssen allerdings unten vor dem Haus parken: Drive in ist da oben nicht vorgesehen.

Weiterführende Links

Wie ein Düsseldorfer Hotel eine Vier-Tage-Woche für seine Beschäftigten eingeführt hat, lesen Sie hier.

Unser Test einer besonderen Hotel-Bar steht hier.


Lust auf weitere Geschichten?