Wo viele Düsseldorfer ihre ersten Docs gekauft haben

In den Regalen von Christian Werner hängen, liegen und stehen Nietengürtel und Armbänder, Bandshirts und Hoodies, gemusterte Hosen und vor allen Dingen Doc Martens. Heiner Hoppe hat die Boots einst nach Düsseldorf gebracht und hier eine ganze Szene von Musikbegeisterten ausgestattet. Christian Werner verbindet die Geschichte des Ladens mit dem aktuellen Zeitgeist.
PickUp ist kein Begriff aus der Punkszene, trotzdem heißt der Laden so. Warum?
Christian Werner Der ursprüngliche Namensgeber des Ladens war tatsächlich ein PickUp. Am Anfang hat Heiner die Docs noch mit seinem alten Renault in Northamptonshire in England abgeholt und nach Düsseldorf gebracht. Irgendwann brauchte er halt ein größeres Auto. Heiner hatte ohnehin eine Affinität zu Fahrzeugen. Sein erster Laden in der Ratinger Straße hieß BBC: Für manche war das Best British Clothing, für andere Big Black Cadillac.
Inwiefern hat Heiner damals mit seinem Laden die Punkszene in Düsseldorf modisch geprägt?
Christian Werner Als Heiner noch die Bude (BBC) an der Ratinger Straße hatte – Anfang der 70er – da gab es die Punks ja hier so noch nicht. Aber das war damals durch die Kunstakademie ein kreatives Zentrum. Da waren halt immer irgendwelche Künstler oder Musiker. Joseph Beuys zum Beispiel. Der hatte ja wohl auch öfter mal einen Freund namens Andy Warhol dabei. Und Heiner mittendrin. Der hat anfangs Stoffe mit Streifen bedrucken lassen und die dann in eine Schneiderei nach Belgien gebracht. Die Schneiderinnen haben dort Hosen und Röcke draus gemacht. Das war selfmade und richtiges Handwerk.
Wie hat sich das Publikum seitdem verändert?
Christian Werner Die Punks von damals kommen heute immer noch hierhin. Manchmal auch nur, um Hallo zu sagen. Die zeigen mir dann ein Foto an der Wand, als sie mit 16 hier oder vor dem Carschhaus geschnorrt haben. Oder, dass sie hier mit ihren Müttern oder Omas ihre ersten Docs oder ihr erstes Nieten-Armband gekauft haben. Im Grunde ähneln sich diese Geschichten alle. Für die Szene hier war das PickUp immer etwas Besonderes, weil man die Accessoires bekam, um sich von der Masse abzuheben.
Kannst du einschätzen, ob es das Bedürfnis sich von der Masse abzuheben bei der heutigen Jugend noch existiert?
Christian Werner Heute ist das mit dem Individualismus schon etwas anders als früher. Trotzdem denke ich, dass junge Menschen immer noch das Bedürfnis haben herauszustechen. Hier in der Gegend zum Beispiel hören schon noch viele Punk und Metal. Aber die gehen eben genauso raven und hören Techno. Das ging bei uns früher gar nicht. Mitte/Ende der 90er fanden wir alles scheiße, was nicht Gitarrenmucke war. Techno war keine Musik, das waren nur Sounds aus der Dose, und die Leute fand man auch komisch. Im Nachhinein würde ich sagen, dass auch das eine Art Ausdruck von Punk war. Heute sieht man das alles etwas anders. Punk ist nicht mehr der Iro und die Nieten auf der Lederjacke oder sowas. Eher eine Grundeinstellung. Es geht halt darum, Dinge anders zu machen oder anders zu denken.
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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