Große Hoffnung auf bezahlbare Wohnungen am Hauptbahnhof

Grand Central steht bisher für eine große Brache in Düsseldorf, die mit der Adler-Gruppe verbunden ist. Nun aber kommt Bewegung in die Sache: Am 1. Juni können Wohnungen besichtigt werden, zudem könnte ein Konsortium bald die Grundstücke von Adler kaufen und ab 2024 bauen.
Veröffentlicht am 31. Mai 2023
Claus Franken Firma Catella
Klaus Franken, Chef des Immobilienunternehmens Catella, das die ersten 147 Wohnungen des Projekts Grand Central fertiggestellt hat. Foto: Andreas Endermann

Wir gehen durch ein breites Treppenhaus und in eine Wohnung mit einem Vinyl-Fußboden in dunkler Holzoptik. Wir schauen uns im Bad die ebenerdige Dusche an, im Flur den Verteiler fürs Internet in alle Zimmer, dann das zweite Bad mit Wanne und Handtuchwärmer sowie die beiden Kinderzimmer. Die Wohnung ist gut geschnitten, gut ausgestattet und auch fürs Alter geeignet – dennoch würde ich über all das nicht schreiben, wenn die Adresse nicht wäre: Die Wohnung gehört zum Projekt Grand Central in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs und liegen daher auf einem Gelände, das zu den traurigen Beispielen zählt, wenn man in Deutschland über die Adler-Gruppe und die Folgen von Bodenspekulationen spricht.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt der Blick aus dem Fenster der besichtigten Wohnung: Großteile des Geländes sind eine Brache. Man sieht Zelte, die Obdachlose aufgeschlagen haben, und beachtliche Müll-Hügel, aber abgesehen von zwei Mulden für Hochhäuser nichts, das Hoffnung auf weitere Bauarbeiten und die noch mehr als 900 fehlenden Wohnungen macht.

Den Anfang einer neuen und hoffnungsvolleren Zeit markiert der morgige 1. Juni. Das Immobilienunternehmen Catella hat für dieses Datum einen „Tag des Wohnens“ angesetzt. Interessierte können sich für Besichtigungen einer Wohnung, wie ich sie gesehen habe, anmelden und bei Gefallen auf eine Liste setzen lassen (Kontaktdaten am Ende des Textes). Die ersten Umzugskartons werden voraussichtlich im Herbst ausgepackt.

Ich habe mit Beteiligten und Expert:innen aus der Branche gesprochen, wie sich um diesen ersten Teil des Grand Centrals herum das weitere Projekt entwickeln kann, vor allem angesichts der Abwicklungspläne der Adler-Gruppe. Daraus haben sich die Antworten zu folgenden Punkten ergeben:

Was ist bisher gebaut worden?
Zwei Gebäude mit 147 Wohnungen am hinteren Ende des Geländes, wenn man von den Schienen aus schaut. Catella baut gerade eine Straße entlang der Gebäude. Weil der Rest des Geländes im beschriebenen Zustand ist, wird alles andere provisorisch errichtet: Stellplätze, Entwässerung und die Aufstellfläche für die Feuerwehr. Das bedeutet für die Entwickler einen größeren Aufwand, aber sie wollten endlich loslegen, sagen sie.

Bauprojekt Grand Central
Die ersten Wohnungen des Projekts Grand Central liegen in zwei Häusern am Rande des Baugebiets, in der Nähe der Moskauer Straße. Foto: Andreas Endermann

Wer kann dort eine Wohnung mieten oder kaufen?
Die jetzt fertiggestellten Wohnungen sind preisreguliert, das heißt, es ist ein Wohnberechtigungsschein erforderlich. Die Investoren wollen bei der Vergabe weitere soziale Aspekte berücksichtigen. So soll es zum Beispiel Wohnungen für Alleinerziehende geben und für junge Menschen, die aus einer Betreuung kommen.

Auf dem weiteren Gelände sind noch mehr als 900 Einheiten für verschiedene Zielgruppen geplant – vom Seniorenwohnen bis zum Penthouse im Hochhaus. Das ursprünglich vorgesehene Hotel entsteht voraussichtlich nicht mehr, weil in der Nachbarschaft bereits zwei Häuser eröffnet wurden. Es könnte durch Büros und/oder kleine Wohnungen ersetzt werden.

Warum passiert auf dem übrigen Gelände noch nichts?
Die Grundstücke gehören der Adler-Gruppe. Sie hat durch verschiedene Verkäufe an Tochter-Unternehmen den Preis auf dem Papier nach oben getrieben, aber nicht gebaut. Mittlerweile hat der Konzern erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, es ist nicht damit zu rechnen, dass er noch etwas baut. Damit dies geschieht, müsste Adler folglich die Flächen verkaufen. Es war allerdings bisher schwierig, Abnehmer zu finden, weil der „Wert“ auf dem Papier so hoch lag. Das könnte sich durch die jüngsten Entwicklungen bei Adler nun ändern.

In welcher Situation befindet sich Adler inzwischen?
Die hoch verschuldete Gruppe hat einen Restrukturierungsplan vorgelegt, den die englische Justiz mittlerweile genehmigt hat. Ziel der Sanierung sei nicht mehr die Rettung des Konzerns, sondern dessen selbstbestimmte Abwicklung, schrieb das „Handelsblatt“, als der London High Court den Plan Mitte April genehmigte. Das Unternehmen will sich laut Bericht in den nächsten drei Jahren von allen Wohnungen und Baustellen trennen und mit dem Geld seine Gläubiger bedienen.

Wie reagiert man in Düsseldorf auf diese neue Situation?
In Düsseldorf gibt es ein großes Interesse, dass das Grand Central endlich entsteht – sowohl bei der Stadt als auch in der Immobilienwirtschaft. Nach meinen Informationen haben sich eine Reihe von Unternehmen zusammengeschlossen, um die Grundstücke von Adler zu kaufen. Angesichts des Drucks bei Adler stehen die Chancen besser als bisher, dass es zur erhofften Unterschrift kommt. Das Konsortium soll ausdrücklich ein Gegenmodell zu Adler sein, also aus verlässlichen Akteur:innen bestehen, die langfristig investieren und nicht „einen schnellen Euro“ suchen.

Gelingt dieser Ansatz, könnte das Grand Central tatsächlich noch zum Vorbild werden, zur Blaupause für ähnliche Gelände in Düsseldorf, die der Adler-Gruppe gehören, zum Beispiel in Gerresheim und Benrath.

Wann könnte es im Grand Central weiter- beziehungsweise richtig losgehen?
Wenn der Kauf abgeschlossen wird, kann es recht schnell gehen. Für alle Projekte auf dem Gelände gab es bereits Baugenehmigungen. Diese sind ausgelaufen und zum Teil verlängert worden, aber sie bilden dennoch eine gute Ausgangsposition. Die Stadtverwaltung hat signalisiert, dass sie seriöse Entwickler:innen unterstützen will, es sind deshalb keine langen Verfahren zu erwarten.

So schwer man sich bei diesem so oft verzögerten Projekt mit Jahreszahlen tut: Es könnten auf einzelnen Flächen bereits 2024 Arbeiten beginnen – und schon bald weitere Möglichkeiten entstehen, sich mit Fußböden, Badewannen und Balkonen zu beschäftigen.

Weitere Informationen zum Tag des Wohnens
Termin: 1. Juni, 16 bis 19 Uhr

Ort: Zugang über den Eingang an der Kölner Straße 114

Programm: Ausstellung mit verschiedenen Wohnprojekten, Podiumsdiskussion sowie Beratungs- und Informationsgespräche. Ein Termin kann per E-Mail an [email protected] angefragt werden.

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